EIN INTERVIEW

Sie gelten als so genanntes Multitalent.

Das klingt mir zu sprunghaft und oberflächlich. Nein, nein. Rückblickend ist es eine Entwicklung, eine Folgerichtigkeit, ziemlich gradlinig. Nichts weiter als ein nächster Schritt. Das ergab sich so und nicht anders. Auch wenn es nicht so ausschaut, ich gehe einen geraden Weg. Ich befreunde mich aber mit der Landschaft, durch die dieser Weg führt. Und ich passe mich dem an, was um mich herum geschieht. Und es geschieht unaufhörlich etwas. Die ungeheuersten Dinge, Momente, Stimmungen. Auf die deute ich und sage: Da!

Fangen wir von vorne an: Sie waren ein Leben lang journalistisch und schriftstellerisch tätig. Waren da das Malen und Fotografieren auch schon geheime Lieben?

Geheim eigentlich nicht. Das Bildnerische war für mich immer schon eine Liebe, mit der ich ganz öffentlich liebäugelte – um es mal so zu sagen. Alles Geschriebene sah und sehe ich sofort auch als Bild. Mein Reporterleben verlangte Genauigkeit, meinetwegen Faktentreue. Aber ich wollte mehr Eigenes dazu geben. So kam ich zu den Essays, wo man mich freimütig schreiben ließ. Meine Ansichten passten nicht immer dem Leser, bekamen aber gute Kritiken.

Dann ging es in Richtung Literatur.

Ja, als es noch persönlicher werden sollte, begann ich, Bücher zu schreiben. Die Titel und Themen bezogen sich auf meinen Hang zum Alleinsein, meine Lust an der Melancholie. Und als Zuckerl für mich: meine Gedichte. Alles ziemlich erfolgreich.

Daraufhin begann die Phase der Malerei.

Es war ja bis dahin schon eine Entwicklung vom Konkreten ins Kreative, vom bloßen Berichten ins Ausmalen. Also malte ich tatsächlich. Ich stellte aus, ich verkaufte, ich hatte Erfolg. Jetzt konnte ich fast körperlich ausleben, was ich wollte, und meiner Phantasie einen ziemlich freien Lauf lassen. Für mich allerdings fast zu frei…

Wieso?

Ich merkte bald, dass ich mich mit etwas konfrontieren wollte, mich an der Realität messen und reiben. Und so gelangte ich schließlich zu einer Form, die beides beinhaltet: Kreatives und Konkretes, den Blick und die Sorgfalt, Traum und Strenge, Auge und Ernst, die Frage und die Antwort. Und ich fand das geballt dort, wo ich mich am liebsten aufhalte: in der Einsamkeit. Und den Raum dafür fand ich auch: in der Natur. Ich hatte also das für mich geeignete Medium gefunden: die Fotografie. Für meine Art, mich den Dingen dünnhäutig zu öffnen und dennoch wachsam zu bleiben, habe ich nun das passende Feld betreten. Ich lese seit Jahren begeistert die Autoren des „Nature Writing“, dieser alten und neu entdeckten wunderbaren Literatur. Und ich folge ihnen – allerdings nicht mehr schreibend, sondern mit der Kamera.

Was kommt?

Ich bleibe neugierig, wie bei meinen Wanderungen durch die Wälder, durch die städtischen Landschaften, durch die Welt der Tiere. Wer weiß, was sich nach der nächsten Biegung auftut. Die Landschaften sind ja da. Und die Wege auch. Aber vielleicht werde ich auch hin und wieder querfeldein gehen.